Methode 1: Vage formulieren
Methode 2:
Mit Begriffsmonstern argumentieren
Methode 3:
Thesen nachträglich verändern
Methode 4:
ad-hoc-Thesen erfinden
 


Wer Immunisierungsstrategien anwendet, versucht, meist prophylaktisch, seine eigenen Aussagen vor kritischen Argumenten zu schützen, besonders dann, wenn es um liebgewordene Überzeugungen und/oder Ansichten geht, die man nur ungern einer kritischen Prüfung unterziehen will.


Methode 1: Vage formulieren

Wenn jemand vage formuliert und dadurch nicht klar wird, was genau seine Aussagen über die Wirklichkeit behaupten, fällt es entsprechend schwer, diese Aussagen zu überprüfen bzw. kritisch zu hinterfragen. Das führt dazu, dass diejenigen, die vage und damit nicht selten auch widersprüchliche Behauptungen formulieren, nur schwer widerlegt werden können. Manchen gelingt es sogar, diese Immunität ihrer Ansichten gegenüber Kritik so auszulegen, als würde dadurch die Richtigkeit der vorgebrachten Argumente bewiesen!

Wie reagieren?

Sobald man den Eindruck gewinnt, dass ein Gesprächspartner vage formuliert, um unangenehmen Argumenten auszuweichen, sollte man unerbittlich nachhaken. Eine Möglichkeit wäre, ganz offen zuzugeben, dass man die vorgebrachte Aussage nicht richtig verstanden hat oder noch nicht richtig nachvollziehen kann, und den Gesprächspartner zu bitten, seinen Standpunkt noch einmal klar und deutlich zu erläutern.


Methode 2: Mit Begriffsmonstern argumentieren

Mit Begriffsmonster sind hier nicht die langen, unverständlichen Wortgebilde gemeint, die manch einer spontan produziert, um Eindruck zu schinden (obwohl das in gewisser Weise auch Monster sind – aber das ist ein anderes Thema!) – Begriffsmonster sind vielmehr solche Wörter, die einen Diskussionspartner sofort zum Verstummen bringen können. Meistens handelt sich dabei um Begriffe, die in aller Munde sind, um Schlagworte, die gewisse Assoziationen auslösen, um Ungeheuer eben, unter deren Gewicht jede Aussage zusammenbricht. Jeder Vorbehalt in einer Diskussion über die erfolgreiche Integration von Ausländern in Deutschland beispielsweise kann mit der bloßen Erwähnung von Begriffen wie "Rassismus" oder "Rechtsradikalismus" relativ leicht platt gemacht werden, weil für gewöhnlich niemand mit diesen Begriffen in Verbindung gebracht werden will. Außerdem: hat man solche Schlagwörter erst einmal in die Diskussion eingebracht, wird sich anschließend kaum noch jemand trauen, in dieser Debatte einen eher unpopulären Standpunkt zu vertreten.

Ein etwas weniger krasses, aber umso effektiveres Beispiel ist das Wort "Geschmacksache" – auch ein Begriffsmonster, und was für eins! "Ach, das ist doch letztlich alles Geschmacksache!", höre ich die Leute irgendwann oft sagen. Damit kann man jede unangenehm gewordene Debatte sofort beenden, zumal, wenn man die eigenen Felle sprichwörtlich davonschwimmen sieht. Denn: natürlich, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten – aber wenn es von vornherein doch nur um Geschmack geht (und in aller Regel geht es anfangs darum noch nicht!), dann erübrigt sich eigentlich auch jede Diskussion, oder? Das würde Zeit und Nerven sparen!

Wie reagieren?

Begriffsmonster sind in der Regel leicht zu bändigen, solange man sich davon nicht einschüchtern lässt und nicht vergisst, sich stets an den Aussagen zu orientieren.


Methode 3: Thesen nachträglich verändern

Es kommt häufig vor, dass Diskussionsteilnehmer einer Kritik ausweichen, indem sie ihre ursprüngliche Aussage verändern – meistens durch begriffliche (Ver-)Klärungen. So eine nachträgliche Veränderung könnte beispielsweise so aussehen: "Wenn ich behaupte, die Gewalt in unserer Gesellschaft hat zugenommen, dann meine ich ja nicht nur die registrierten Verbrechen, sondern auch die versteckte, alltägliche Gewalt." War in der ursprünglich aufgestellten Behauptung von dieser Dunkelziffer aber niemals die Rede, dann hat der Teilnehmer seine These hier nachträglich verändert, indem er seinen Gewaltbegriff einfach ausgeweitet hat. Ähnlich: "Ich habe einfach einen etwas umfassenderen Begriff von Kultur" oder: "Mein Verständnis von Religion ist eben anders!" Wie wir wissen, sollte man aber in einer Diskussion auf die exakte Bedeutung eines Begriffs sowieso nicht allzu viel Gewicht legen und sich mehr auf den Sinn einer Aussage konzentrieren (siehe Trick 4: Definitionen abfragen).

Wie reagieren?

Meistens reagiert man falsch, wenn man als Kritisierter versucht, die Verwendung eines Begriffs richtig zu stellen. Umgekehrt sollte man als Zuhörer sehr genau zuhören bei eher harmlos klingenden Anmerkungen, die scheinbar (!) der begrifflichen Klärung dienen. Richtig ist, auf den Sinn von Aussagen zu verweisen und im Falle einer nachträglichen Veränderung bzw. Präzisierung den ursprünglichen Sinn einer Behauptung wieder ins Spiel zu bringen. Zu pauschal formulierte, aber in sich korrekte Ursprungsthesen können, ohne verändert zu werden, relativ leicht von flankierenden Thesen geschützt werden.


Methode 4: ad-hoc-Thesen erfinden

Um die eigenen Ansichten zu retten, erfinden viele Leute, nicht nur beim Diskutieren, irgendwelche Hilfshypothesen! Solche ad-hoc-Hypothesen entstehen meistens dann, wenn eine These (oder Theorie) mit bestimmten Beobachtungen nicht übereinstimmt, also etwas anderes passiert, als man aufgrund der eigenen Vermutungen erwartet hat. Doch dabei sollte man besonders als Zuhörer aufpassen: Jede noch so versponnene Behauptung kann unter Umständen mit einer mehr oder minder cleveren ad-hoc-These gerettet werden. Diese Thesen sind in der Regel so gestrickt, dass sie kaum widerlegbar erscheinen – und genau da muss man ansetzen!

Wie reagieren?

Führt jemand eine ad-hoc-These an, mit der es ihm gelingt, leicht alle kritischen Argumente vom Tisch zu fegen, macht es nur Sinn, die Diskussion mit dieser Person weiterzuführen, wenn diese These auch in irgendeiner Weise überprüfbar ist! Sobald aber eine solche These unbekannte Faktoren oder Kräfte mit einschließt, die nicht abschätzbar sind, entsteht pure Willkürlichkeit. Man sollte sich daher immer fragen, unter welchen Bedingungen und/oder beim Auftreten welcher Ereignisse der Diskussionspartner bereit wäre, seine Behauptung aufzugeben. Wird aber deutlich, dass er eine solche Situation völlig ausschließt oder aufgrund seiner clever formulierten These auch nur ausschließen kann, muss man ernsthaft hinterfragen, inwieweit die von ihm aufgestellte Aussagen nicht doch beliebig sind.

 

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