2. Substantive wie Blitz und Donner: Immer nur das treffende Wort!

»Der Unterschied zwischen dem richtigen und dem beinahe richtigen Wort
ist derselbe wie der zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen.«
 
― Mark Twain

 

2.1 Weg vom Allgemeinen! Seien Sie anschaulich und konkret!

Der sicherste Weg, die Aufmerksamkeit der Leser zu wecken und wach zu halten, ist der, besonders, bestimmt und konkret zu sein - schon Jean Paul hat das konkrete Wort empfohlen. Wer eine konkrete Schilderung mit abstrakter Begrifflichkeit überwölbt, macht seinen Text lahm, langweilig und blass. Besser ist, den engsten Umfang und die kleinste mögliche Einheit zu benennen. Der Sinn und der Nutzen einer solchen Schreibhaltung ist eigentlich überwältigend klar, dennoch wird diese Haltung auffallend selten angestrebt. Warum ist das so? Ganz einfach: Abstraktion ist bequem und erspart detailliertes Wissen, denn wer eine Amsel nicht von einer Meise unterscheiden kann, ist natürlich froh, dass es das Wort "Vogel" gibt. Außerdem klingt Abstraktion gebildet - schließlich sind "Windkraftwerke" nicht halb so imposant wie "alternative Technologien". Der Nachteil: mit zunehmendem Grad der Abstraktion nimmt der Grad der Anschaulichkeit rapide ab und im schlimmsten Fall die Zahl der Silben zu - Hühner hört man noch gackern, Geflügel nicht mehr! Denken Sie also daran: Die Dinge haben einen Namen, so wie auch Sie einen haben, und da auch Sie wahrscheinlich gerne bei Ihrem Namen genannt werden wollen, sollten Sie mit allem anderen genauso verfahren.

Schreiben Sie anschaulich und wählen Sie Wörter, die "Hände und Füße haben", wie Luther es verlangte. Wörter, die den Leser sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen lassen!

Schreiben Sie

  • statt öffentlicher Personennahverkehr besser Bus, S-Bahn, U-Bahn, Taxi

  • statt Unterbringung besser Hotel, Motel, Pension, Ferienwohnung

  • statt Hund besser Dackel, Schäferhund oder Pekinese

  • statt Baum besser Buche oder Birke

  • statt Verpflegung besser Essen und Trinken

  • statt Essen und Trinken besser Wurst- und Käsebrot, Saft und Tee

  • statt Saft und Tee besser Apfelsaft und Kräutertee (länger, aber konkreter und somit anschaulicher!)

Das treffende Wort ist kurz, direkt, konkret, besonders. Je kürzer ein Wort, desto rascher und tiefer trifft es seine Sache und unsere fünf Sinne. Noch wichtiger: wählen Sie immer den besonderen Ausdruck, nie den allgemeinen!

 

2.2 Spicken Sie!

Nun ließe sich natürlich fragen: Wie um alles in der Welt findet man den treffenden, den einen besonderen Ausdruck - und das möglichst häufig? Etwas süffisant formuliert, ließe sich sagen: Den richtigen Ausdruck findet, wer die Welt kennt!
 
Die allgemeinen Phrasen entstammen einer Wirklichkeitsverdünnung, einer Blindheit für das Gegenständliche, einem Mangel an Erfahrung, einer Unwissenheit, die durch die Unbestimmtheit des Ausdrucks verschleiert werden soll. Wer gelernt hat, gut zu unterscheiden und sich scharf auszudrücken, der wird bei der Beschreibung eines simplen Geräuschs differenzieren können zwischen brausen, brüllen, dröhnen, klirren, klopfen, knarren, knattern, plätschern, poltern, prasseln, quietschen, rasseln oder rumpeln. Und aufgepasst: diese Wörter verhalten sich durchaus nicht synonym zueinander! Es geht nämlich auch gar nicht darum, für jedes Wort ein passendes Synonym parat zu haben – falls es so etwas wie ein "echtes" Synonym überhaupt gibt (darüber streiten die Gelehrten)! Wichtig bei der Wortwahl sind vielmehr die klare Unterscheidung und die Schärfe des gewählten Begriffs.

Ein ganz ausgezeichnetes Mittel, seinen Wortschatz zu erweitern, ist die Verwendung eines Bilderwörterbuchs; eine gute Wahl ist hierfür z.B. der dritte Band der Duden-Reihe, der auf mehr als 400 Bildtafeln rund 30.000 Begriffe unserer Sprache veranschaulicht. Hier lohnt sich das Spicken - und es ist sogar erlaubt!
     

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