2. Hauptsätze, Hauptsätze, Hauptsätze!

Nebensätze sind in der spontanen Rede selten, Nebensätze müssen also nicht sein. Dass eine Mitteilung grundsätzlich in Haupt- und Nebensachen zerfalle, die sich auch nur in Haupt- und Nebensätzen angemessen unterbringen ließen, ist eine reine Zwangsvorstellung. Mit Hauptsätzen hat man als Kind begonnen, auf tadellose Nebensätze wurde man in der Schule getrimmt, nach der Schule sollte man wieder überwiegend in Hauptsätzen schreiben. Leichter verständlich sind Hauptsätze immer, sie wahren die Chronologie, sie klingen mündlicher, dramatischer und lebendiger – und mit ein bisschen Geschick sogar eleganter. Kurz: Hauptsätze sollten Ihre erste Wahl sein! Immer.

Wer hierauf (den keinesfalls unberechtigten) Zweifel hegt, ob die vermeintlich geist- und kunstlose Aneinanderreihung von Hauptsätzen nicht doch etwas arg anspruchslos, kurzatmig oder ermüdend wirken kann, dem sei gesagt: gewiss, das kann sie durchaus sein, und zwar genau dann, wenn die Hauptsätze allesamt kurz und allesamt nur durch Punkte getrennt sind. Das muss natürlich nicht sein, sollte auch nicht: Es lassen sich ja prinzipiell auch längere Hauptsätze bilden, und dass der Punkt der einzige Hauptsatz-Teiler sein soll, das steht meines Wissens nirgendwo geschrieben. Kommata zum Beispiel signalisieren den engen Zusammenhalt von Sätzen, vermeiden Hackebeilstil und Pausenzeichen, laden zur hurtigen Lektüre ein und heben die Stimme, wo der Punkt sie senkt – kurz: sie bieten neben dem Punkt eine weitere Möglichkeit, Dynamik in die Sprache zu bringen. Gedankenstriche, Doppelpunkte und Semikola können und sollten (!) in ähnlicher Weise und vor allem ähnlich häufig eingesetzt werden (vgl. hier)! 

Probieren Sie es aus! Lassen Sie spaßeshalber mal zwei Drittel Ihrer Nebensätze weg, schreiben Sie stattdessen in Hauptsätzen, und setzen Sie, wo es passt oder angemessen erscheint, zwischen zwei Hauptsätzen statt eines Punkts auch mal ein Komma, ein Semikolon, einen Doppelpunkt, einen Gedankenstrich oder ein Fragezeichen. Alles ist erlaubt, solange Sie endlich und endgültig davon wegkommen, ständig einen Punkt zwischen alle Ihre Sätze zu rammen.

Übrigens: jede Mitteilung lässt sich in die Form eines Haupt- oder Nebensatzes kleiden. Entsprechend lassen sich alle Arten von Nebensätzen mal mehr, mal weniger elegant in Hauptsätze umformen, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:

 

Nebensatz

Hauptsatz

Beispiel: Nebensatz

Beispiel: Hauptsatz

Begründung da, weil

denn, nämlich

Man sollte keine langen Sätze bauen, da/weil sie schwer verständlich sind. Man sollte keine langen Sätze bauen, denn sie sind schwer verständlich.
Einschränkung obwohl, auch, wenn

trotzdem,
zwar – aber

Obwohl sie enttäuscht worden war, versuchte sie es wieder. Sie war zwar enttäuscht worden, aber sie versuchte es wieder.
Folge

so – dass

daher

Ich bin so erkältet, dass ich ins Bett gehe. Ich bin erkältet, daher gehe ich ins Bett.

Ort

wo, wohin, woher

dorthin, dort, dorther

Er fuhr nach Berlin, wo er seinen Bruder traf. Er fuhr nach Berlin, dort traf er seinen Bruder.
Zeit nachdem, als, während

dann, und, zugleich

Als ich das hörte, brach ich sofort auf.

Ich hörte das und brach sofort auf.

Bedingung

wenn, falls

sonst, andernfalls

Wenn wir jetzt nicht gehen, kommen wir zu spät.

Wir müssen jetzt gehen, sonst kommen wir zu spät.

 

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