5. Das Problem der Satzlänge (Teil 1):
Machen Sie kürzere Sätze!

Wer die Absicht hat, seine Leser mit attraktiven und verständlichen Texten zu begeistern, der schafft Ordnung erst im Kopf und dann auf dem Papier, macht sich Mühe und, notgedrungen, sehr viele (hoffentlich kluge) Gedanken über eine zweckvolle Wortwahl einerseits und eine möglichst attraktive und verständliche Satzgestaltung andererseits.

Zwei grundlegende Merkmale der grammatisch-stilistischen Satzgestaltung sind es vor allem, die in diesem Zusammenhang eine – wenn nicht: die entscheidende Rolle spielen: die Satzkonstruktion und die Satzlänge. Und eben weil diese beiden Aspekte so wichtig sind, müssen Sie sich, ob Sie wollen oder nicht, eingehend damit beschäftigen, sofern Ihnen nach wie vor daran gelegen ist, verständlicher und attraktiver kurz: besser zu schreiben, als Sie es bisher aller Wahrscheinlichkeit nach getan haben.

Mit dem Problem der optimalen Satzlänge wollen wir beginnen!  

Es gilt als empirisch gesichert, dass eine "ungünstige" Satzlänge sich immer negativ auf die Verständlichkeit eines Textes auswirkt und somit auch auf seine Attraktivität! Somit gilt schon grundsätzlich: Je weniger zwischen zwei Punkten steht (oder generell zwischen zwei abschließenden Satzzeichen), desto verständlicher ist der Satz für Ihre Leser, mit anderen Worten: kurze Sätze werden grundsätzlich besser verstanden und behalten als längere Sätze!

Kurze Sätze haben außerdem zwei besondere Vorzüge: Erstens sind sie an Prägnanz und Verständlichkeit für Ihre Leser kaum zu übertreffen. Zweitens zwingen sie den Schreibenden, sich einer strikten Disziplin zu unterwerfen und seine Gedanken so lange zu ordnen, bis er klar und verständlich sagen kann, was er zu sagen hat; zugleich entlarven sie ihn, wenn er nichts zu sagen hat! Und mal ehrlich: allein das sollte für die Verwendung kurzer Sätze schon Argument genug sein, oder nicht?

Noch einmal: kurze Sätze sind verständlicher und lesen sich in der Regel auch sehr viel angenehmer als lange Sätze – jedenfalls eindeutig angenehmer als solche, die so verschachtelt und überfrachtet sind, dass man ihnen buchstäblich mit Buntstiften auf den Leib rücken muss, um sie überhaupt noch entwirren zu können (von Lesen kann in so einem Fall ja nun wirklich keine Rede mehr sein!). Als eine der obersten Regeln, guten Stil betreffend, gilt infolgedessen seit Jahrzehnten der Ratschlag, den eigenen Stil unentwegt mit dem "Zollstock" zu prüfen. Auch wenn es manchmal schwer fällt (und glauben Sie mir, ICH weiß, wie schwer es einem manchmal fallen kann!): Machen Sie kürzere Sätze!

Bei der konkreten (!) Frage allerdings, wie lang ein optimal verständlicher Satz maximal sein darf, scheiden sich die Geister. Verbindliche Auskunft bekommt man hierzu keine, allenfalls "unverbindliche" und nicht immer einheitliche Richtwerte werden empfohlen, wie die folgenden beiden Tabellen zeigen:

  Wörter pro Satz

sehr leicht verständlich

bis 13

leicht verständlich

14 - 18

verständlich

19 - 25

schwer verständlich

25 - 30

sehr schwer verständlich

31 und mehr Wörter

 

Wörter
pro Satz

Aus wie vielen Wörtern soll ein Satz bestehen?

9

Obergrenze der optimalen Verständlichkeit laut dpa

7-14

Obergrenze für gesprochene Texte laut Erich Staßner, Sprachwissenschaftler

10-15

empfohlene durchschnittliche Satzlänge laut Wilfried Seibicke, Stillehrer

12

durchschnittliche Satzlänge in der BILD-Zeitung

17

durchschnittliche Satzlänge im Johannes-Evangelium
durchschnittliche Satzlänge in den Buddenbrooks (Thomas Mann)

18

Obergrenze der Leichtverständlichkeit laut Ludwig Reiners, Stil-Lehrer
durchschnittliche Satzlänge in der Westdeutschen Allgemeinen

20

Obergrenze des Erwünschten bei dpa

30

Obergrenze des Erlaubten bei dpa

31

durchschnittliche Satzlänge im Dr. Faustus (Thomas Mann)

92

durchschnittliche Satzlänge im Tod des Vergil (Hermann Broch)

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