8. Das Problem der Satzkonstruktion (Teil 2):
Ihr größter Feind, der Schachtelsatz

Dass sich Schachtelsätze eindeutig und immer verständlichkeitserschwerend auswirken, dürfte auf der Hand liegen – weshalb umso erstaunlicher ist, mit welcher Regelmäßigkeit und Hartnäckigkeit sie von vielen Schreibenden, ob öffentlich oder privat, eben nicht vermieden werden! Einfache, linear und klar gebaute Sätze sind heutzutage seltener, als man denkt. Leider!

Der Schachtelsatz, Ihr Staatsfeind Nr. 1, kann in zwei Formen auftreten:

  1. als lang gestreckter Hauptsatz, der immer wieder durch Nebensätze unterbrochen wird; man spricht dann auch von einer Satzgirlande.

    Beispiel: Das Haus, das an der Straße nach Mannheim liegt, wird, noch bevor der Frost einsetzt, abgerissen.

    Diese noch "harmlose" Variante des Schachtelsatzes lässt sich durch Einschachtelung des zweiten Nebensatzes in den ersten steigern, und damit gelangt man automatisch zur zweiten Variante des Schachtelsatzes!
     

  2. als Schachtel in der Schachtel
     
    Beispiel: Das Haus, das an der Straße, die nach Mannheim führt, liegt, wird abgerissen.

    Der Anzahl von "ineinander geschachtelten Schachteln" ist zumindest in syntaktischer Hinsicht keine Grenze gesetzt, selbst drei oder mehr Schachteln sind möglich!

    Beispiel: Die Häuser, die sich an dem Weg, der von dem Platz, der vor dem Rathaus liegt, abgeht, befinden, werden abgerissen.

    Wer so einen (zugegeben: konstruierten) Satz lesen und verstehen will (oder sogar muss), wird mit Sicherheit mindestens ein zweites Mal ansetzen müssen, um alle Nebensätze entwirren und in ein logisches Verhältnis zum Hauptsatz bringen zu können.

Völlig gleichgültig aber, ob ein Schachtelsatz zwei oder drei ineinander verschränkte Nebensätze enthält oder sich als kommafreie Klemmkonstruktion tarnt (die an dem vor dem Rathaus liegenden Weg befindlichen Häuser) – Schachtelsätze gehören konsequent entwirrt, zerschlagen, gesprengt und notfalls getötet! Kompromisslos! An ihre Stelle gehören gerade, linear gebaute Sätze.

Wie Sie das schaffen? Ganz einfach, indem Sie sich konsequent an die hier vorgestellten Regeln zur Satzgestaltung halten: Lassen Sie zusammen, was zusammen gehört; reizen Sie Hauptsätze so weit wie möglich aus; verwandeln Sie so viele Nebensätze wie möglich in Hauptsätze, damit Nebensätze die absolute Ausnahme bleiben; und falls Nebensätze doch einmal nötig sein sollten, gilt als der typische, schlechthin erwünschte Platz des Nebensatzes die Position hinter dem Hauptsatz, nur in seltenen Fällen die davor – und niemals die zwischendrin!

Und das Wichtigste von allem: befolgen Sie die 3-Sekunden-Regel immer und überall! Machen Sie diese Regel zu Ihrem Heiligen Schreibgesetz, zu dem einzigen und letzten Gebot, das Sie (schwören Sie es!) auch dann noch befolgen werden, wenn Sie bereits alle anderen Regeln und guten Vorsätze in Momenten von Schwäche und Leichtsinn hinter sich gelassen haben! Beten Sie die 3 Sekunden an! In Ewigkeit... Amen.

Seien Sie gnadenlos, haben Sie mit Schachtelsätzen kein Erbarmen! Schreiben Sie geradeaus. Verknoten Sie Ihre Gedanken nicht. Hüpfen Sie nicht hin und her. Laufen Sie.

Laufen Sie!

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