1. Sortieren Sie Ihre Gedanken, und spinnen Sie rote Fäden!

Beginnen wir mit einer (vielleicht) überraschenden Feststellung: Der Aufbau von Texten ist zweitrangig.
Nicht unwichtig, das freilich nicht - aber doch zweitrangig!

Methoden für den Textaufbau werden im Allgemeinen überschätzt, denn der Leser liest den Aufbau eines Textes ja nicht mit, sondern immer nur einen Gedanken auf einmal und alle Gedanken nacheinander. Außerdem sind die meisten Texte kurz genug, dass man nicht allzu viel Zeit und Mühe in einen systematisch ausgeklügelten Aufbau investieren muss, und längeren Texten wird üblicherweise ohnehin ein Inhaltsverzeichnis vorangestellt, an dem sich der Leser orientieren kann. Wo bin ich? Was habe ich schon gelesen? Was kommt noch? Wer Texte schreiben muss, die so lang sind, dass sie ein Inhaltsverzeichnis tatsächlich erforderlich machen, wird sich zwangsläufig eingehender mit dem systematischen Aufbau und der inhaltlichen Kohärenz seiner Arbeit auseinandersetzen (müssen).   

Um Missverständnissen vorzubeugen: das heißt nicht, dass Sie sich überhaupt keine Gedanken über den Aufbau Ihres Textes machen sollen! Sie müssen alles, was aus mehr als zwei Sätzen besteht, irgendwie strukturieren und inhaltlich miteinander verzahnen - und selbstverständlich können Sie dafür eine systematische Methode aus Lehrbüchern wählen, wenn Sie das wollen und/oder es Ihnen hilft. Sie sollten nur die Wirkung nicht überschätzen: Ein Textaufbau mit Methode fesselt nicht, wenn Wortwahl und Satzbau nicht stimmen. Punkt.

Überlegen Sie sich vor dem Schreiben daher wenigstens grob den Aufbau dessen, was sie zu Papier bringen wollen. Ein überlegter Aufbau hilft Ihnen, Ihre Gedanken zu sortieren und beim Schreiben den Überblick zu behalten. Außerdem ist es von Vorteil, einen roten Faden zu haben: eine Frage, ein Thema oder eine Botschaft, irgendetwas, das den Text von Anfang bis Ende durchzieht.

Noch etwas: vergessen Sie die witzlose Gedankenschablone, die Sie Jahr für Jahr in der Schule vorgekaut bekamen, als wäre es nötig gewesen, Sie jedes Schuljahr aufs Neue an den regelmäßigen Wechsel zwischen Ein- und Ausatmen zu erinnern; vergessen Sie den unoriginellsten Dreiklang des bundesweiten Deutschunterrichts: Einleitung - Hauptteil - Schluss. Außer tödlich langweiligen Schulaufsätzen, die kein Mensch freiwillig lesen will, beginnt kein Text mit einer "Einleitung", wie die Schule es Ihnen weismachen wollte, sondern mit der Hauptsache – oder mit einer Provokation – oder mit einer farbigen, aufregenden Nebensache, die alsbald zur Hauptsache hinführt. Was jeweils wichtig, provokant oder aufregend ist, müssen Sie je nach Zweck Ihres Textes natürlich selbst entscheiden. Und dass man einen Text nicht unvermittelt abbricht, wenn man alles aufgeschrieben hat, was man loswerden wollte, liegt mehr oder minder auf der Hand: Schließen Sie Ihren Text ab mit einer Zusammenfassung, einem Ergebnis, einer Anekdote oder einem Wunsch – was Sie wollen. Hauptsache, Sie bleiben Ihrem Leser in guter Erinnerung.

Wenn Sie wissen, was Sie schreiben wollen, ergibt sich die Reihenfolge fast von alleine. Das ist keine besondere Methode, sondern schlicht das Prinzip: erst Ordnung im Kopf, dann auf dem Papier. Was für einzelne Sätze gilt, gilt auch für den Aufbau des gesamten Textes. Nicht mehr, nicht weniger. Also:

  1. Überlegen Sie genau, was bzw. worüber Sie schreiben wollen
    – und das ist eigentlich auch schon das Wichtigste, um ehrlich zu sein! Denn wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind günstig (Seneca).

  2. Legen Sie einen roten Faden fest.

  3. Sortieren Sie Ihre Informationen, Gedanken und Ideen,
    und bringen Sie alles in eine sinnvolle Reihenfolge.

  4. Schaffen Sie die "schulische" Einleitung ab und eine originelle Eröffnung herbei.

  5. Brechen Sie nicht ab – lassen Sie ausklingen.

  6. Legen Sie los!

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