4. Kämpfen Sie sich durch den Zahlendschungel!

Zahlen lassen sich in Ziffern oder in Buchstaben schreiben: 3 oder drei. Welche Schreibweise Sie für gewöhnlich wählen, entscheiden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit, beeinflusst durch eine Faustregel, die man Ihnen in der Schule eingetrichtert hat: Alle Zahlen von eins bis zwölf werden ausgeschrieben, ab 13 aufwärts schreibt man in Ziffern. Zurück geht das auf eine alte Setzerregel, die rein optisch sehr unschöne, vor allem aber verwirrende Satzinhalte konstruiert und als überholt mittlerweile sowieso gilt, weshalb sie besser in der Mottenkiste verschwinden sollte, aus der sie gekommen ist.

Hierzu 2 Faustregeln:

  1. Was verglichen werden soll, wird gleich geschrieben: entweder durchweg in Ziffern oder durchweg in Buchstaben. Also anstatt: "Für den Schulausflug stimmten 16 Schüler, gegen ihn neun" – besser: "Für den Schulausflug stimmten 16 Schüler, gegen ihn 9."
     

  2. Was nicht verglichen werden soll, wird ungleich geschrieben: bei zwei verschränkten Zahlenreihen also eine in Ziffern und die andere in Buchstaben. Nach der Setzerregel müsste folgender Satz so geschrieben werden: "Zehn Briefmarken zu 50 und 20 zu zehn Cent." Die Ziffer 50 steht für den Wert, die Ziffer 20 dagegen für die Stückzahl. Sehr verwirrend und noch nicht einmal logisch! Nach unserer Faustregel würde man diesen Satz so schreiben: "Zehn Briefmarken zu 50 und zwanzig zu 10 Cent." (zwanzig statt 20 und 10 statt zehn)

Und noch 3 Tipps:

  • Übersetzen Sie Zahlen besser in Bilder: Das funktioniert nicht immer, aber wenn, dann sollten Sie die Möglichkeit wahrnehmen, allein der Anschaulichkeit wegen. Die konkrete Angabe von exakten Zahlen mag fundiertes Wissen demonstrieren, stilistisch aber sind sie schwach und lassen keine Bilder im Kopf entstehen. Wenn Sie also eine Steinmauer von 183 Metern Höhe abbilden wollen, sollten Sie besser schreiben, dass diese Mauer höher ist als jeder Kirchturm der Erde. Darunter kann man sich etwas vorstellen - 183 Meter dagegen sagen den meisten Lesern nichts (und mir schon gar nicht!).
     

  • Bei ungenauen Angaben sollten Sie auf Ziffern verzichten: Ziffern stehen für Genauigkeit, und die alte Setzerregel verführt dazu, Ziffern auch dort zu benutzen, wo sie eine Genauigkeit vorgaukeln, die gar nicht gemeint sein kann. Man sollte deshalb nicht 100 Zuschauern schreiben, wenn die Anzahl der Anwesenden realiter irgendwo zwischen 95 und 105 lag. Man schreibe daher besser hundert Zuschauer oder tausend Teilnehmer.
     

  • So etwas wie einen ersten Januar gibt es nicht: Die Setzerregel verführt viele dazu, Zahlen unter 13 auch dort in Buchstaben zu schreiben, wo die beschriebene Wirklichkeit mit Ziffern operiert: am ersten Januar auf Seite vier in Zimmer acht die Nummer eins. Im Kalender, auf der zitierten Seite und auf der Zimmertür steht aber eindeutig und immer 1, 4 oder 8, und Nummern sind Kennzahlen, die immer und überall in Ziffern geschrieben werden: Hausnummern, Telefonnummern und Kontonummern beweisen das.

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