5. Sie sollten salzen und pfeffern!

So wie es unglaublich viele Möglichkeiten gibt, Gerichte beim Kochen mit Gewürzen zu verfeinern und ihnen dadurch ihre gewisse Note zu verleihen, so gibt es auch unglaublich viele Möglichkeiten, Texte mit pfiffigen Ideen, verblüffenden Aussagen oder originellen Wortspielen interessanter und attraktiver zu gestalten. Aber mit Gewürzen ist das so eine Sache: Geschmacksache nämlich. Und völlig egal, womit Sie ein Gericht würzen: sind Sie zu sparsam, schmeckt Ihr Essen hinterher fad und begeistert keinen, nicht einmal Sie – sind Sie zu großzügig, dann ist es versalzen oder zu scharf und also ungenießbar. Das gleiche gilt für Ihre Texte. Eine kniffelige Angelegenheit also.

Im Gegensatz zu Kochrezepten gibt es überdies keine verlässliche Anleitung dafür, wie man einen Text am besten und originellsten aufwertet. Da müssen Sie spontan und experimentierfreudig sein! Bei jeder Idee sollten Sie jedoch gut überlegen, ob sie tatsächlich geeignet ist und ihr Ziel auch nicht verfehlt. Besonders vorsichtig sollten Sie sein bei Witz und Ironie – denn nur wenn Sie sicher sein können, dass der Leser die Ironie auch wirklich als solche erkennt, dürfen Sie ironisch sein. Wenn Sie jedoch Zweifel haben, verzichten Sie lieber darauf! Ansonsten können Sie unterschiedliche Dinge ausprobieren:

  • Setzen Sie Metaphern in einen neuen oder ungewöhnlichen Zusammenhang, aber achten Sie darauf, dass keine schiefen Bilder entstehen.

  • Spielen Sie mit der Doppeldeutigkeit und den Gegensätzen von Wörtern, aber vermeiden Sie Albernheiten.

  • Bauen Sie originelle Zitate ein, wenden Sie diese Zitate, spielen Sie darauf an.

  • Übernehmen Sie Sprichwörter und spielen Sie mit ihnen, formulieren Sie sie um, verfolgen Sie deren Gedanken weiter, aber bringen Sie die Sprichwörter nicht durcheinander.

  • Schaffen Sie spielerische Bezüge, erzeugen Sie Spannung, machen Sie neugierig, lassen Sie den Leser schmunzeln, schaffen Sie Bilder, noch besser: Kino im Kopf – das Höchste, was ein Schreiber erreichen kann.

Und noch ein letzter, aber wichtiger Hinweis: Überlegen Sie immer, ob der Leser Ihre Idee auch wirklich versteht, versuchen Sie das möglichst realistisch einzuschätzen. Ein unbekanntes Shakespeare-Zitat aus den Tiefen Ihrer zerlesenen Ausgabe seiner Sämtlichen Werke hervorzukramen, das nur Ihnen selbst und einer ausgesuchten Gruppe von Shakespeare-Kennern geläufig ist, macht keinen Sinn und ist vergeudete Liebesmüh, selbst wenn Sie es kunstvoll in einen Satz eingeflochten haben. Wer sollte das denn bemerken? Wer sollte sich daran erfreuen? Ein Wortspiel ist nur dann gut, wenn es vom Leser auch erkannt und verstanden wird.

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