6. Hin und her...


Hin und her wollen gut unterschieden sein. Oft entsteht bei Schreibern wie bei Sprechern spontane Unsicherheit, ob es just hin oder her heißen muss – sofern darüber überhaupt nachgedacht wird. Im Grunde ist es aber gar nicht so schwer, die jeweilige Verwendung ist von zwei Dingen abhängig: der Bewegungsrichtung und der Person.

Geht die Bewegung zu dem Erzähler oder, wenn es keinen Erzähler gibt, zu dem Subjekt des Satzes, dann heißt es her – geht sie von ihm weg, dann heißt es hin.

Her bedeutet: zu mir.
Hin bedeutet: von mir weg.

Sie können sich das auch an einem Vers von Goethe merken:
"Da stand es gut um unser Haus / Nur viel herein und nichts hinaus."

Außerdem: wenn es klopft, rufen Sie ja auch nicht: "Hinein!" – sondern: "Herein!"

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7. Wenn besser nicht mit würde!


Die Kirche unterscheidet Sünden verschiedener Art, die geringfügigsten Sünden nennt sie "lässlich". Auch lässliche Stilsünden gibt es: Grammatisch sind diese Sünden nicht unbedingt falsch, sie machen den Stil auch nicht unbedingt unerträglich – aber stören können sie schon. Bei Folgendem handelt es sich um so eine lässliche Stilsünde:

Sie können bei jedem Verb den Konjunktiv II auf zwei unterschiedliche Arten bilden: entweder durch Beugung des Verbs (ich käme, ich stürbe, ich könnte,...) oder mit dem Hilfszeitwort würde und der entsprechenden Form des Infinitivs (ich würde kommen, ich würde sterben, ich würde können,...). Und hier müssen Sie sich eine Regel merken:

In wenn-Sätzen und anderen Bedingungssätzen besser kein würde.

Diese Regel einzuhalten, birgt schon den Vorteil, dass bei der gleichzeitigen Verwendung des Konjunktivs II in Haupt- und Nebensatz keine hässliche Doppelung entsteht:

(1) Wir würden gehen, wenn er endlich kommen würde
(2) Wir würden gehen, wenn er endlich käme.
(3) Wir würden gehen, käme er endlich.

Beispiel (1) ist stilistisch nicht eben schön, besser wäre eine Variante wie Beispiel (2); noch besser gefällt mir persönlich aber Variante (3). Das gleiche gilt, wie erwähnt, auch für Bedingungssätze ohne wenn:

(4) Wir würden ja gehen, würde er endlich kommen.

Auch Beispiel (4) ist eher schlechtes Deutsch und sollte besser durch Variante (3) ersetzt werden. Wenn Sie aber den Konjunktiv II auch in einem Bedingungssatz durch würde mit Infinitiv bilden wollen oder müssen, dann achten Sie wenigstens darauf, die gleiche Bildung im Hauptsatz nicht wieder zu verwenden!  

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