1. Kurz und treffend: Geizen Sie mit Silben und sparen Sie Wörter!
 

  Kraftvolle Sprache ist kurz und bündig. Ein Satz darf kein unnötiges Wort enthalten, ein Absatz keinen unnötigen Satz – aus demselben Grund, aus dem eine Zeichnung keine unnötigen Linien und eine Maschine keine unnötigen Teile enthält. Das erfordert nicht, dass der Schreiber nur kurze Sätze bildet oder Einzelheiten weglässt oder seinen Gegenstand nur in Umrissen darstellt – sondern dass jedes Wort etwas zu sagen hat.

― William Strunk: The Elements of Style


Angenehm zu lesen ist nur, was Wort für Wort Vergnügen bereitet. Dazu gehört, dass jedes Wort ein Mindestmaß an Sinn transportiert. Als Faustregel gilt, ein Text ist gut, wenn er frei ist von allem Überflüssigen – und das ist dann der Fall, wenn Sie nichts mehr streichen können. Alles andere bläht den Text nur unnötig auf. Machen Sie Ihre Texte schlank und eingängig!   

1.1 Kürze heißt Kraft: Streichen Sie jede unnötige Silbe!
1.2 Kürzen Sie Blähwörter!
1.3 Der Gipfel allen Übels: Wortdreimaster - sofort versenken!
1.4 Rupfen Sie Füllwörter!
1.5 Lassen Sie die Luft raus: Pieksen Sie aufgeblasene Redewendungen!
1.6 Keine Chance den Floskeln!
1.7 Streichen Sie ausnahmslos jedes überflüssige Wort!

 

1.1 Kürze heißt Kraft: Streichen Sie jede unnötige Silbe!

Ein Wort ist umso verständlicher, je weniger Silben es hat. Mit der Kürze wächst aber nicht nur die Verständlichkeit, sondern auch die Anschaulichkeit und die Kraft. Stehen für dieselbe Sache zwei Wörter mit verschiedener Silbenzahl zur Verfügung, dann darf man wetten, dass das kürzere für gewöhnlich das eingängigere und kraftvollere Wort ist:

  • Informationsdefizite sind in der Regeln nicht größer als Wissenslücken (9:4),

  • ein Gefährdungspotential ist nicht normalerweise nicht bedenklicher als ein Risiko (7:3),

  • und ansonsten ist dreimal so lang wie das schlichte sonst (3:1), aber stilistisch nicht mal halb so gut!

Besonders wichtig wird der Verzicht auf überflüssige Silben bei den Verben: Hier sollten Sie die Silbenregel wörtlich nehmen und jede unnötige Silbe streichen. Weg damit!

  • wer absinkt, ertrinkt nicht schneller als jemand, der sinkt (2:1),

  • wer einsparen muss, hat nicht mehr zu entbehren als einer, der sparen muss (3:2),

  • und wer anfragt, gibt sich nicht interessierter als jemand, der fragt (2:1).

 

1.2 Kürzen Sie Blähwörter!

Wer seinem Text mehr Fülle und mutmaßlich (!) mehr Bedeutung zukommen lassen will, der weicht häufig auf Blähwörter aus. Man hat kein Ziel mehr vor Augen, wenn es auch eine Zielsetzung sein kann, und auf eine Frage - nein: Fragestellung gibt man keine Antwort, sondern man führt lieber eine Beantwortung durch (schrecklich, schrecklich!). Beherzigen Sie die Silbenregel und befreien Sie Ihre Wörter konsequent von allem unnötigen Ballast! Schreiben Sie

  • statt Problemstellung lieber Problem, statt Fragestellung besser Frage,

  • statt Räumlichkeit besser Raum,

  • statt Sitzgelegenheit besser Stuhl oder Sessel, Sofa usw.,

  • und statt Heilungsverlauf einfach Heilung.

 

1.3 Der Gipfel allen Übels: Wortdreimaster - sofort versenken!

Die Wortdreimaster (so bezeichnet von Arthur Schopenhauer) sind enge Verwandte der Blähwörter. Nur: sie sind noch schlimmer! Manchmal nennt man sie auch Begriffsschlangen, aber völlig egal, wie man sie nennt, als Schreiber sollten Sie keine schwerfälligen Schleppzüge bewegen, wo Ihre Leser ein flottes Boot vorziehen würden. Versuchen Sie, Wortdreimaster und Begriffsschlangen ausnahmslos zu zerschlagen oder durch eine klare, verständliche Erklärung zu ersetzen:

  • ein Telefonnummernverzeichnis ist schlicht ein Telefonbuch

  • statt Postwertzeichen reicht Briefmarke

  • der Fußgängerüberweg ist (viel anschaulicher, wenn Sie mich fragen) der Zebrastreifen

  • und eine Unfallverhütungsvorschrift ist nichts anderes als eine verbindliche Regel, durch die Unfälle bei der Arbeit verhindert werden sollen (das ist zwar länger, aber auch verständlicher!) 

 

1.4 Rupfen Sie Füllwörter!

Fast durchweg zu streichen sind Wörter wie dann, gar, ja, nun, also, wohl usw. Das sind, so könnte man sagen, die "Celebrities" unter den häufig (aber nicht immer!) unnötigen Füllwörtern. Auch die aufgeblasenen Varianten wie gewissermaßen, selbstredend, schlichtweg, insbesondere oder regelrecht gilt es zu meiden. Erst recht modische Füllwörter wie echt und irgendwie sollte man tilgen, sofern sie ersichtlich machen, dass man sich präziser auszudrücken nicht in der Lage gewesen ist!

 

1.5 Lassen Sie die Luft raus: Pieksen Sie aufgeblasene Redewendungen!

Wahrscheinlich haben Sie gewisse Redewendungen bereits so verinnerlicht, dass Sie diese wie selbstverständlich benutzen. Überlegen Sie trotzdem, ob es nicht auch kürzer geht. Schreiben Sie beispielsweise

  • statt zum jetzigen Zeitpunkt lieber jetzt,

  • statt zu einem späteren Zeitpunkt einfach später,

  • statt aus diesem Grunde besser daher oder deshalb,

  • ersetzen Sie keine Seltenheit durch häufig,

  • und ein Ding der Unmöglichkeit durch unmöglich.

 

1.6 Keine Chance den Floskeln!

Wenn sie nicht absolut nötig sind, streichen Sie Füllfloskeln wie beispielsweise

  • meines Erachtens mit der grotesken Variante meines Erachtens nach,

  • nach meiner unmaßgeblichen Meinung (als ob sie einer für maßgeblich gehalten hätte)

  • oder ich würde sagen - würde? Sagen Sie’s nun oder nicht?

 

1.7 Streichen Sie ausnahmslos jedes überflüssige Wort!

Auch wenn man die meisten Füllwörter gestrichen hat, bleiben immer Wörter übrig, die man auf den ersten Blick nicht als überflüssig empfindet, weil man sich zu sehr an sie gewöhnt hat. Wer wundert sich noch über nähere Einzelheiten – wo doch Einzelheiten schon immer Näheres beinhalten; auch Leistungen auf dem Gebiet oder im Bereich des Sports sind nicht besser als Leistungen beim Sport oder sportliche Leistungen etwa.
 

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