3. Textoptimierung:
Verständlichkeit nach allen Regeln der Wissenschaft

Grau ist alle Theorie, wusste schon Goethes Mephistopheles, und der Volksmund fordert deshalb zu Recht, auf Worte immer auch Taten folgen zu lassen! Stellt sich für uns also nunmehr konkret die Frage, welche Konsequenzen sich für die Praxis aus den Erkenntnissen der Verständlichkeitsforschung ziehen lassen, mit anderen Worten: Wie kann ich selbst als Schreibender die Verständlichkeit meiner eigenen Texte erhöhen? Welche Techniken, Regeln und Prinzipien kann ich dazu anwenden?

Für das weitere Vorgehen dieser Arbeit sollen die bereits aufgestellten Verständlichkeitsdimensionen den theoretischen Rahmen bilden, innerhalb dessen weitere Merkmalspräzisierungen vorgestellt und erläutert werden können. Die folgenden Strategien zur Textoptimierung basieren, soweit möglich, auf gesicherten empirischen Ergebnissen,1 dennoch sei angemerkt, dass die vorgeschlagenen Strategien größtenteils aus dem Bereich des theoretisch-deduktiven Verständlichkeitsmodell hervorgehen, da innerhalb des induktiven Ansatzes kaum Angaben zur Effektivität der einzelnen Merkmale gemacht werden.2

Darüber hinaus möchte ich die, wir mir scheint, „gängige Reihenfolge“ der vier Verständlichkeitsdimensionen umstellen und die beiden „wichtigeren“ Dimensionen kognitive Gliederung/Ordnung und sprachliche Einfachheit am Schluss diskutieren. Für die Dimension sprachliche Einfachheit sollen zusätzlich Erkenntnisse und Empfehlungen sowohl klassischer als auch moderner Stillehren hinzugezogen werden, und das aus zwei Gründen: erstens, weil beide Ansätze selbst (der theoretisch-deduktive ganz besonders) auf „klassische“ Stillehren zurückgegriffen haben zwecks Modellierung des jeweiligen Verständlichkeitskonzepts und daher enge Zusammenhänge bestehen – und zweitens, weil umgekehrt moderne Stillehren sich mittlerweile explizit auf die Erkenntnisse der Verständlichkeitsforschung berufen. Stellvertretend für die „klassischen“ Stillehren verweise ich auf Ludwig Reiners’ Stilfibel von 1963, die auch Norbert Groeben zur theoretischen Modellierung der Dimension stilistische Einfachheit gedient hat3 – als Beispiel für zeitgenössische, also moderne Stillehren soll hier auf die Arbeiten des Journalisten Wolf Schneider verwiesen werden.

 

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1

Vgl. Groeben/Christmann 1989, S. 176.

2

Vgl. ebenda.
3 Weitere Stillehren-Klassiker, die sich heranziehen ließen, wären nebst anderem: Ludwig Reiners: Stilkunst. Ein Lehrbuch deutscher Prosa. München 1943; ferner Arthur Schopenhauer: Ueber Schriftstellerei und Stil. Frankfurt/Main 1960; ferner Kurt Tucholsky: Sprache ist eine Waffe. Sprachglossen. Hamburg 1989.
4 Wolf Schneider: Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil. München 2001; derselbe: Deutsch für Kenner. Die neue Stilkunde. München 2003; derselbe: Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergaß. Hamburg 2003(2); derselbe: Deutsch! Das Handbuch für attraktive Texte. Hamburg 2005.
Zur Einsicht in weitere zeitgenössische Stillehren ließe sich ferner zurückgreifen auf: Axel Schlote: Treffsicher texten. Briefe, Reden und andere Texte lebendig und stilvoll formulieren. Weinheim 2004; ferner Willy Sanders: Gutes Deutsch. Stil nach allen Regeln der Kunst. München 2002; derselbe: Gutes Deutsch - besseres Deutsch. Praktische Stillehre der deutschen Gegenwartssprache. Darmstadt 1996. Alle nachfolgend abgekürzt mit Namen und Erscheinungsjahr.   

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