3.1 Interesse wecken: Konflikt und Stimulanz

Im Gegensatz zu den übrigen Textgestaltungstechniken liegen zur Dimension der zusätzlichen Stimulanz (induktiv) bzw. des konzeptuellen Konflikts (deduktiv) nur wenig empirische Studien vor, die deren Effektivität ausgiebig untersucht haben.1 Techniken zur Steigerung der motivationalen Stimulanz lassen sich, wie in 2.2 bereits erwähnt, vor allem ableiten aus der Neugiermotivationstheorie von Berlyne (1960); so kann Neugier für einen Textinhalt beispielsweise durch folgende vier Texteigenschaften evoziert werden:2

Erstens empfiehlt sich die Verwendung von Fragen, die durch die Generierung von kognitiven Konflikten Erregungspotential und Neugiermotivierung auslösen – und damit im Idealfall zur Steigerung des Leseinteresses führen. Eine interessant und geschickt formulierte Frage sollte einerseits gut behalten werden und andererseits auch zu mehr Interesse an der dazugehörigen Antwort und wiederum deren Behalten führen. Die zweite Möglichkeit, kognitive Konflikte zu provozieren, besteht darin, Informationen in den Text einzufügen, die in Widerspruch stehen zum bisherigen Wissen der Rezipienten und deren Überzeugungen oder Annahmen, wodurch im Idealfall zu weiterer Informationssuche motiviert wird. Inkongruenz bzw. Widersprüchlichkeit kann aber nicht nur im Verhältnis zum Vorwissen des Lesers bestehen, sondern, und das wäre die dritte Möglichkeit, auch bewusst im Text hergestellt werden, indem man zum Beispiel gleichwahrscheinliche Alternativen aufzeigt, sofern das möglich ist; durch die daraus resultierende Unsicherheit könnte wieder Neugier hervorgerufen werden. Und schließlich viertens lässt sich natürlich durch den Neuheits- und Überraschungswert von Textinhalten ganz grundsätzlich Interesse und Neugier wecken. 

 

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1

Vgl. Groeben/Christmann 1989, S. 186.

2

Zu den Textgestaltungstechniken der motivationalen Stimulanz vgl. ebenda, ferner Groeben 1982, S. 267 ff.

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